Nachlass
Sommer 1872Anfang 1873 21 [1-25] 21 [1]
21 [2] Die Choephoren. Betrachtungen über den künstlerischen Stil des Aischylos. Falsche Begeisterungen und die Schwierigkeit des wirklichen Eindrucks.
Ich 21 [3] Das Plastische. Aeschylus hat nicht, wie Shakespeare, ungeheure bewegte Affektbilder vor Augen, sondern plastisch-ruhende Gruppen. Die Bewegung geschieht streng symmetrisch. Die Zahl der Verse. 21 [4] Quod felix faustum fortunatumque vertat! 21 [5] Einleitung. Die Erziehung durch Musik bei den Griechen.
21 [6] Die Philosophie des tragischen Zeitalters. Die Griechen haben damals philosophirt! Wunderbar! Wie können wir uns in jenes Zeitalter hineinleben? in die erstaunlichsten Fernblicke? Daß wir sie wirklich lebendig nachempfinden, ist Bildung. Die Systeme fressen sich auf: eins aber bleibt. Jeder dieser Philosophen sah einmal die Welt entstehen! Ich will Historienmalerei, nicht Antiquitäten. 21 [7] Geburt der Tragödie. 21 [8] Conjekturen und Erklärungen. 21 [9] Alles wird aus einem. 21 [10] Das Erkennen selbst ist ohne Freude, wie das Sehen ohne Freude ist. Wie kommt es in die Welt? 21 [11]
21 [12] Etwas zu finden, was jemand verloren, ist vor allem nur ein Vergnügen für den, der verloren hat, aber etwas zu finden, was niemand verloren hat, aber auch niemand besaß, also zu entdecken, ist für den Entdecker von seltener Annehmlichkeit. 21 [13] Der Glaube beruht auf einer Menge von Analogieschlüssen: nicht getäuscht zu werden! Wo der Mensch zu erkennen aufhört, fängt er zu glauben an. Er wirft sein moralisches Zutrauen auf diesen Punkt und hofft nun mit gleichem Maße bezahlt zu werden: der Hund blickt uns mit zutraulichen Augen an und will daß wir ihm trauen. Das Erkennen hat für das Wohl des Menschen nicht so viel Bedeutung wie das Glauben. Selbst bei dem Finder einer Wahrheit z. B. einer mathematischen ist die Freude das Produkt seines unbedingten Vertrauens, er kann darauf bauen. Wenn man den Glauben hat, so kann man die Wahrheit entbehren. 21 [14] Was ist es, was die mächtigen Triebe in die Bahn der Wohlfahrt bringt? Im Allgemeinen die Liebe. Die Liebe zur Heimatstadt umschließt und bändigt den agonalen Trieb. Die Liebe zum Nächsten überwindet ihn zum Zweck der Erziehung. Im Dienste der Liebe steht die Schönheit: die sich steigernde Verklärung, wie sie Plato schildert. Das Weiterzeugen im Schönen echt hellenisch. Das Wachsen des Eros zu schildernEhe Familie Staat. 21 [15]
21 [16] Die Philosophen des tragischen Zeitalters Einheit des Willens. Der Intellekt nur ein Mittel zu höheren Befriedigungen. Die Verneinung des Willens oft nur Wiederherstellung von mächtigen Volkseinheiten. Kunst im Dienste des Willens: Heraclit. Liebe und Haß in Griechenland: Empedocles. Grenzen der Logik: sie im Dienste des Willens: Eleaten. Das Asketische und Tödtende im Dienste des Willens: Pythagoras Reich der Erkenntniß: Zahl: Atomistik und Pythagoreer. Aufklärung, Kampf gegen Instinkt: Anaxagoras Socrates Plato. Der Wille zu charakterisiren: seine Methode zum Vernünftigen zu kommen. Wesen der Materie absolute Logik. Zeit Raum und Causalität als Wirkungsvoraussetzung. Es bleiben Kräfte übrig: in jedem kleinsten Augenblick andre Kräfte: im unendlich-kleinsten Zeitraum immer eine neue Kraft d. h. die Kräfte sind gar nicht wirklich. Es giebt keine eigentliche Wirkung von Kraft auf Kraft: sondern in Wahrheit existirt nur ein Schein, ein Bild. Die ganze Materie ist nur die Außenseite: in Wahrheit lebt und wirkt etwas ganz Anderes. Unsre Sinne aber sind das Produkt der Materie und der Dinge, ebenso unser Geist. Ich meine: man muß von den Naturwissenschaften aus zu einem Ding an sich kommen. Der übrigbleibende Willewenn man den erkennenden Intellekt wegrechnet. 21 [17] Es ist möglich, die Empfindung materiell zusammenzusetzen: wenn man nur den organischen Stoff erst materiell erklärt hat. Es ist eine grenzenlos zusammengesetzte Geschichte, die einfachste Empfindung: kein Urphänomen. Da ist Gehirnthätigkeit Gedächtniß usw. nöthig, nebst Reflexbewegungen aller Art. Wenn man im Stande wäre ein empfindendes Wesen aus Materie aufzubauenwäre dann nicht die eine Hälfte der Natur enthüllt? Der Erkenntnißapparat unendlich complicirt ist Voraussetzung der Empfindung: die Erkenntniß ist zur Annahme jeder Materie nöthig. Aber der Glaube an die sichtbare Materie ist eine reine Sinnentäuschung. 21 [18] Daß die Natur in allen Reichen gleich verfährt: ein Gesetz, das für den Menschen gilt, gilt für alle Natur. Der Mensch wirklich ein Mikrokosmos. Das Gehirn die höchste Leistung der Natur. 21 [19]
Thales. Gegensatz der Vorsokratiker gegen die Sokratiker. Ihre Stellung zum Leben ist naiv. Die sieben Weisen als Repräsentanten der ethischen Haupttugenden. Freiheit vom Mythus. Der Grieche des tragischen Zeitalters denkt eben sich selbst und legt Zeugniß ab. Wie wichtig! Denn bei der Beurtheilung griechischer Tragödien müssen wir immer den Griechen suppliren. 21 [20] Der künstlerische Trieb in der Verpuppung als Philosophie. 21 [21] Der Allkünstler und der Allmensch. Aeschylus als Gesammtkünstler: sein Zuhörer in seiner Werkstatt geschildert. Wir wollen den Griechen kennenlernen, den Aeschylus als seinen Zuhörer kannte. Diesmal benutzen wir seinen Philosophen, der in jener Zeit dachte. 21 [22] An Thales die Freiheit vom Mythus zu entwickeln. 21 [23] Sokrates abstrakt menschlich stellt das Wohl des Individuums voran, die Erkenntniß zum Zwecke des Lebens. Vernichtung der Instinkte. 21 [24] Zuerst Aeschylus geschildert als Pentathlos, dann der Zuhörer, an den Philosophentypen. 21 [25] Betrachtungen über das bayreuther Weihefest im Mai 1872. Stimmung: heiter und heroisch. Wir sind die Glücklichen und haben ein Fundament, wir verstehen die gute Musik und unsre großen Dichter besser. Alpenthäler mit Kröpfenes sind Kranke. Das Heroische bei W[agner].
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